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Adresse

Tinizong-Rona, Schweiz

Jahr

2000

Bauherr

Gemeinde Tinizong-Rona

Fotos 

© Ralph Feiner

 

Im Kern von Tinizong haben sich die öffentlichen Bauten versammelt, die das dörfliche Leben bestimmen: Schule, Kirche, Gemeindehaus. Als unabhängige Solitäre stehen sie mit engen Zwischenräumen an der Hauptstrasse. Das neue Gemeindehaus nimmt diese Form auf, weicht aber ein wenig von der Strasse zurück, um so Raum für einen Vorplatz zu schaffen. Die zurückversetzte Position erlaubt es, die Fassade mit mehr Distanz zu betrachten. In den Dörfern des Oberhalbstein ist eine dreigeschossige Fassade mit neun Lochfenstern unter einem Giebeldach ein häufiger architektonischer Topos. Die üblichen Bauvolumen und die traditionelle Ausbildung der Öffnungen haben zu dieser Regel geführt. Auch das neue Gemeindehaus folgt dem alten Muster. Nur sind hier die Fenster nicht symmetrisch unter dem Giebel angeordnet, sondern leicht zur Seite gerückt. Diese Verfremdung und die grossen Formate verankern den Bau in der Gegenwart. Ein knapp beschnittener Dachrand, der fehlende Sockel und die breiten, aussen angeschlagenen Fensterrahmen sind weitere Neuerungen gegenüber der Tradition.

 

Auch die innere Aufteilung folgt der lokalen Typologie. Ein breiter Mittelgang erschliesst beidseitig die Räume. Sichtbeton, ein rötlicher Terrazzobelag und massive Eichenholztüren geben dieser Zone einen repräsentativen und halböffentlichen Charakter. Hinter diesen Türen reihen sich die Post, eine Bankfiliale, die Gemeindekanzlei, das Büro des Försters und weitere Einrichtungen der Gemeinde auf. Wie an einer Dorfstrasse lassen sich so die verschiedenen Geschäfte erledigen, und der Gang wird zum Treffpunkt. Das Ziel des Weges bildet im obersten Geschoss der Gemeindesaal, der in der Art einer Ratsstube ganz in Eichenholz getäfert ist. Von hier fällt der Blick weit über die Dächer des Dorfes hinweg auf das Tal und den Piz Toissa.